Wenn Gaffer die Feuerwehrzufahrt versperren – Appell an Bürger

Foto: Marcel Kahner Foto: Marcel Kahner

Nur zehn Minuten haben die Einsatzkräfte der Feuerwehr Zeit, um an JEDER Stelle im Stadtgebiet zu sein und dort Hilfe zu leisten. Das Bayerische Feuerwehrgesetz regelt diese so genannte Hilfsfrist.

„Um ihre Aufgaben im abwehrenden Brandschutz und im technischen Hilfsdienst erfüllen zu können, müssen die Gemeinden ihre Feuerwehren so aufstellen und ausrüsten, dass diese möglichst schnell Menschen retten, Schadenfeuer begrenzen und wirksam bekämpfen sowie technische Hilfe leisten können. Hierfür ist es notwendig, dass grundsätzlich jede an einer Straße gelegene Einsatzstelle von einer gemeindlichen Feuerwehr in höchstens zehn Minuten nach Eingang einer Meldung bei der Alarm auslösenden Stelle erreicht werden kann.“

Im Fürther Stadtgebiet kann es durchaus sein, dass je nach Verkehrsaufkommen diese Frist von der Berufsfeuerwehr einmal nicht eingehalten werden kann, weshalb in solchen Situationen die örtlichen Freiwilligen Feuerwehren benötigt und alarmiert werden. Ebenso wenn eine Einsatzlage ein Eingreifen von Freiwilligen Kräften erfordert, da ein Löschzug der Berufsfeuerwehr nicht ausreichend ist. So auch am vergangenen Sonntag, als ein Brand am Fürther Hafen alle Fürther Feuerwehren auf den Plan rief. Von der Integrierten Leitstelle in Nürnberg wurde aufgrund der Lage ein „Vollalarm“ ausgelöst. Ein erschreckendes Bild bot sich den anfahrenden Einsatzkräften im Bereich Mainstraße sowie in der Hafenstraße. Dutzende neugierige Gaffer versammelten sich nur unweit der Einsatzstelle und blockierten den Rettern die Zufahrtswege. Inzwischen sind solche Situationen trauriger Alltag.

Eine gewaltige schwarze Rauchwolke war am Sonntagnachmittag über dem Fürther Norden zu sehen. Die Wolke war so stark zu sehen, dass zahlreiche Schaulustige in die Main- und Hafenstraße fuhren, um bei dem Brand hautnah dabei zu sein. Viele zückten ihre Smartphones und versorgten soziale Medien, Freunde und Bekannte, die letztlich auch neugierig wurden und die Einsatzstelle belagerten. Welche Folgen der Sensationstourismus jedoch für die Retter hat, ist niemandem bewusst. Feuerwehren, die aus dem Norden an die Einsatzstelle wollten, fanden im Bereich einer Gärtnerei in der Mainstraße fast kein Durchkommen. Autos standen teilweise auf der Straße, im Grünstreifen oder starteten Wendemanöver auf der Hauptstraße.

Großfahrzeuge der Feuerwehr, die an der Einsatzstelle gebraucht wurden, steckten zwischenzeitlich inmitten der Sensations-Touristen fest. Zwar ging es am Sonntag nicht um Menschenleben, dies könnte jedoch beim nächsten Mal anders sein. Wird zum Beispiel eine Person im Gebäude vermisst, die dort dem Brandrauch ausgesetzt ist, zählt jede Sekunde.

Leider sind Vorfälle wie am vergangen Sonntag bei weitem keine Seltenheit mehr. Behinderungen von Einsatzkräften durch Schaulustige nehmen immer mehr zu.

Trotz mehreren Mitteilungen an die Öffentlichkeit blieb der Tourismus vor Ort nicht aus. Regelmäßig wiederkehrende Rundfunkmeldungen, Meldung der Feuerwehr sowie der Stadt Fürth in sozialen Medien und der Internetseite zogen die Personen augenscheinlich eher an, als sie abzuschrecken. Beim Brand am Sonntag wurden durch die Verbrennung von Plastikmüll giftige Dämpfe freigesetzt, weshalb auch Durchsagen stattfanden, Fenster und Türen geschlossen zu halten und sich wenn möglich nicht im Freien aufzuhalten. Eingesetzte Kräfte waren an der Einsatzstelle in spezieller Schutzausrüstung tätig, um dem Brandrauch nicht direkt ausgesetzt zu sein. Schaulustige, die jedoch ohne jeglichen Schutz den Brand beobachteten, hätten unter Umständen Einsatzkräfte binden können, so zum Beispiel bei auftretenden Reizungen der Atemwege oder gar Bewusstlosigkeit durch die giftigen Dämpfe etc.

Wir möchten aus diesem Grund nochmals an die Vernunft aller Bürgerinnen und Bürger appellieren. Bitte halten Sie sich bei Einsätzen jeglicher Organisationen im Hintergrund, versperren Sie keine Anfahrtswege und versuchen Sie keine Absperrungen zu umgehen. Nur so ist es uns möglich, professionelle Hilfe zu leisten.

Auch die Fürther Nachrichten berichten über die immer zunehmenden Probleme mit Schaulustigen.

http://www.nordbayern.de/region/fuerth/dutzende-gaffer-bei-further-grossbrand-behindern-feuerwehr-1.7975836

Foto: Marcel Kahner Foto: Marcel Kahner
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